Griechische Redewendungen und ihre deutschen Entsprechungen
Wer Griechisch lernt, begegnet im Alltag häufig Ausdrücken, deren Bedeutung sich nicht aus den einzelnen Wörtern ableiten lässt. Eine Redewendung ist eine feste oder teilweise feste...
Als falsche Freunde bezeichnet man Wörter aus zwei Sprachen, die ähnlich aussehen oder ähnlich klingen, aber nicht dieselbe Bedeutung haben. Beim Lernen von Griechisch und Deutsch entstehen solche Verwechslungen besonders häufig bei internationalen Begriffen. Viele davon gehen auf das Altgriechische zurück und wurden in beide Sprachen übernommen. Trotzdem hat sich ihre Bedeutung nicht immer gleich entwickelt.
Die Ähnlichkeit ist deshalb kein zuverlässiger Beweis für eine gleiche Bedeutung. Sie kann eine nützliche Lernhilfe sein, aber auch zu einer falschen Übersetzung führen. Wer etwa das deutsche Wort „Chef“ sieht, könnte wegen der internationalen Verbreitung an eine leitende Person denken. Im heutigen Griechisch bedeutet σεφ jedoch in erster Linie „Koch“ oder „Köchin“. Umgekehrt ist das griechische γυμνάσιο keine Sporthalle, sondern eine Schulform.
Für die richtige Übersetzung zählt daher immer der Kontext. Wichtig sind außerdem Wortart, grammatische Form, Stilebene und die konkrete Bedeutung in der jeweiligen Bildungssprache.
Schule, Studium und Ausbildung bieten zahlreiche Beispiele. Internationale Wörter scheinen vertraut, werden aber in Griechenland und im deutschen Sprachraum teilweise unterschiedlich verwendet.
| Griechisches Wort | Naheliegende, aber oft falsche Zuordnung | Tatsächliche Bedeutung im Griechischen | Passendes deutsches Wort |
|---|---|---|---|
| γυμνάσιο | Gymnasium als deutsche Schulform | weiterführende Schule der Sekundarstufe I | je nach Kontext etwa Mittelstufe oder Sekundarschule |
| λύκειο | deutsches Lyzeum im historischen Sinn | weiterführende Schule der Sekundarstufe II | Oberstufe oder allgemeinbildende höhere Schule |
| μαθητής, μαθήτρια | Student oder Studentin | Schüler oder Schülerin | Schüler, Schülerin |
| φοιτητής, φοιτήτρια | Schüler oder Schülerin | Student oder Studentin an einer Hochschule | Student, Studentin |
| σημείωση | Note im Sinn einer Schulnote | Notiz oder Anmerkung | Notiz, Anmerkung |
| νότα | Note als Bewertung | musikalischer Ton oder musikalische Note | Note in der Musik |
Die griechische Schulnote heißt meist βαθμός, also wörtlich „Grad“ oder „Bewertung“. Eine σημείωση ist dagegen eine Notiz. Diese Unterscheidung ist für Hausaufgaben, Zeugnisse und Gespräche über Prüfungsergebnisse wichtig.
Auch bei Begriffen für Lehrveranstaltungen und Lernformen ist eine direkte Übertragung nicht immer sinnvoll. Das griechische σεμινάριο kann ein Seminar im deutschen Sinn bezeichnen. Es wird jedoch auch für einen zeitlich begrenzten Kurs oder eine praktisch ausgerichtete Veranstaltung verwendet. Der Kontext zeigt, ob „Seminar“, „Kurs“, „Workshop“ oder „Fortbildung“ die passendste Übersetzung ist.
Πρακτική bedeutet zunächst „praktisch“ oder „Praxis“. In der Verbindung πρακτική άσκηση bezeichnet es häufig ein Praktikum oder eine praktische Ausbildungsphase. Das deutsche „Praktikum“ sollte deshalb nicht isoliert übersetzt werden, sondern zusammen mit der Frage, ob es um Berufserfahrung, eine verpflichtende Studienleistung oder eine praktische Übung geht.
Auch καθηγητής und „Professor“ sind nicht immer deckungsgleich. Im Griechischen kann καθηγητής je nach Zusammenhang eine Lehrkraft, einen Hochschullehrer oder einen Professor bezeichnen. Im Deutschen ist „Professor“ in der Regel eine bestimmte akademische Amts- oder Berufsbezeichnung, während „Lehrer“ und „Lehrkraft“ auf den schulischen Bereich verweisen. Eine Übersetzung sollte daher die Institution und die Funktion berücksichtigen.
Einige falsche Freunde entstehen nicht durch einen vollständigen Bedeutungsunterschied, sondern durch eine andere Bedeutungsbreite. Das Wort τεχνική bedeutet im Griechischen vor allem „Technik“ im Sinn einer Methode oder eines Verfahrens. Das deutsche Wort „Technik“ kann dagegen auch technische Geräte, Technologie oder einen ganzen Fachbereich bezeichnen. Je nach Satz sind „Methode“, „Verfahren“, „Technik“ oder „Technologie“ angemessen.
Λεξικό heißt im Griechischen „Wörterbuch“. Das deutsche „Lexikon“ bezeichnet dagegen häufig ein Nachschlagewerk mit Sachinformationen, manchmal auch eine Enzyklopädie. Für ein griechisch-deutsches Wörterbuch ist im Deutschen daher „Wörterbuch“ die präzisere Bezeichnung.
Das griechische κλινική kann eine Klinik oder eine medizinische Fachabteilung meinen. Das deutsche „Klinik“ wird ebenfalls verwendet, kann aber je nach Land, Fachgebiet und Einrichtung unterschiedliche Größen und Organisationsformen bezeichnen. Eine Übersetzung darf hier nicht automatisch eine bestimmte institutionelle Struktur voraussetzen.
Bei δίαιτα ist ebenfalls Vorsicht angebracht. Im Griechischen kann das Wort allgemein die Ernährungsweise oder Lebensweise im Hinblick auf Ernährung bezeichnen. Das deutsche „Diät“ wird im Alltag oft enger mit einer besonderen Ernährungsform zur Gewichtsabnahme oder aus medizinischen Gründen verbunden. In bestimmten deutschen politischen Zusammenhängen bedeutet „Diät“ außerdem eine Abgeordnetenentschädigung. Dieser Sinn ist aus dem griechischen Alltagsgebrauch nicht ohne Weiteres zu erschließen.
Ein klassisches Beispiel ist das deutsche Wort „Chef“. Im Deutschen bezeichnet es gewöhnlich eine vorgesetzte Person oder eine Leitungsperson. Das griechische σεφ, meist in der Schreibweise σεφ, bedeutet dagegen Koch oder Köchin, besonders in einem professionellen gastronomischen Zusammenhang. Für eine vorgesetzte Person kommen im Griechischen je nach Kontext etwa προϊστάμενος, διευθυντής oder eine andere Funktionsbezeichnung infrage.
Auch „Pension“ und πανσιόν können in die Irre führen. Im Deutschen ist eine Pension unter anderem eine Unterkunft, häufig ein kleinerer Beherbergungsbetrieb. Außerdem kann „Pension“ den Ruhestand oder eine Altersversorgung bezeichnen. Das griechische πανσιόν bezieht sich dagegen gewöhnlich auf eine Unterkunft mit Verpflegung oder Übernachtungsmöglichkeit. Für eine deutsche Altersrente steht im Griechischen eher σύνταξη.
Das griechische ραντεβού bedeutet ein Treffen oder einen vereinbarten Termin, häufig auch ein persönliches Date. Das deutsche „Termin“ kann ebenfalls ein vereinbartes Treffen bezeichnen, ist aber meist neutraler und wird besonders für Arzttermine, Behördentermine oder berufliche Verabredungen verwendet. Für ein Kalenderdatum ist im Griechischen dagegen ημερομηνία passend.
Ein weiteres Beispiel ist κάρτα. Das Wort kann eine Karte, eine Spielkarte oder eine Zahlungskarte bezeichnen. Das deutsche „Karte“ deckt ebenfalls mehrere Bedeutungen ab. Beim Übersetzen muss deshalb geklärt werden, ob eine Fahrkarte, eine Landkarte, eine Speisekarte, eine Visitenkarte oder eine Bankkarte gemeint ist.
Das deutsche Wort „Sympathie“ und das griechische συμπάθεια überschneiden sich, sind aber nicht in jedem Satz austauschbar. Im Deutschen bedeutet „Sympathie“ häufig positive persönliche Zuneigung. Im Griechischen kann συμπάθεια neben Wohlwollen auch Mitgefühl oder Anteilnahme ausdrücken. Für eine Übersetzung ist daher entscheidend, ob jemand eine Person angenehm findet oder mit ihr leidet.
Απολογία wird oft fälschlich mit „Apologie“ gleichgesetzt. Im heutigen Griechisch kann es eine Verteidigung, eine Rechtfertigung oder im rechtlichen Zusammenhang eine Stellungnahme eines Beschuldigten bedeuten. Das deutsche „Entschuldigung“ entspricht dagegen meist συγγνώμη, während „Apologie“ eine ausführliche Verteidigung einer Lehre, Position oder Person bezeichnet.
Das griechische πάθος kann Leidenschaft, starke innere Beteiligung oder auch Leiden bedeuten. Das deutsche „Pathos“ bezeichnet dagegen häufig eine feierlich oder stark gefühlsbetont wirkende Ausdrucksweise. Wer einen persönlichen Enthusiasmus beschreiben möchte, sollte im Deutschen daher nicht automatisch „Pathos“ wählen.
Κρίση bedeutet im Griechischen je nach Zusammenhang Krise, Urteil, Beurteilung oder Einschätzung. Das deutsche „Krise“ deckt nur einen Teil dieses Bedeutungsfeldes ab. In einem Satz über eine Prüfungskommission kann κρίση eher „Beurteilung“ oder „Urteil“ heißen, in einem medizinischen oder politischen Zusammenhang dagegen „Krise“.
Falsche Freunde lassen sich nicht dauerhaft durch eine einzelne Vokabelliste beherrschen. Sinnvoller ist ein Verfahren, das Bedeutung, Beispielsatz und Gegenbegriff miteinander verbindet.
Besonders wirksam ist eine zweispaltige Karteikarte mit einem Beispielsatz auf jeder Seite. Eine Seite kann das griechische Wort und die andere die deutsche Bedeutung samt Warnhinweis enthalten. Bei Wörtern mit mehreren Bedeutungen sollten mindestens zwei typische Kontexte aufgenommen werden.
Beim Übersetzen hilft eine kurze Kontrollroutine. Zuerst wird die scheinbar passende Entsprechung eingesetzt. Danach sollte geprüft werden, ob sie zur Situation, zur Zielgruppe und zur Stilebene passt. Ein Wort, das im Wörterbuch als erste Bedeutung erscheint, ist nicht automatisch die beste Lösung für jeden Satz.
Bei wichtigen Texten sollten zusätzlich ein einsprachiges Wörterbuch der Ausgangssprache und ein zuverlässiges zweisprachiges Wörterbuch verglichen werden. Wörterbuchbeispiele zeigen oft, welche Übersetzung in einem bestimmten Zusammenhang üblich ist.
Ähnliche Wörter sind Hinweise, keine fertigen Übersetzungen. Diese Regel lässt sich auf viele Beispiele anwenden: γυμνάσιο erinnert an „Gymnasium“, bezeichnet aber eine andere Schulstufe; σεφ klingt wie „Chef“, bedeutet aber Koch oder Köchin; λεξικό sieht wie „Lexikon“ aus, heißt jedoch Wörterbuch; σημείωση kann wie eine schulische „Note“ wirken, bedeutet aber Notiz.
Wer diese Wörter in thematischen Gruppen lernt, erkennt die Unterschiede schneller. Für den Bildungsbereich eignen sich Gruppen wie Schulformen, Hochschulrollen, Prüfungen und Lernveranstaltungen. Für den Alltag sind Gruppen wie Arbeit, Unterkunft, Termine und Gefühle nützlich. Zu jeder Gruppe gehören nicht nur einzelne Wörter, sondern kurze Beispielsätze und typische Gegenüberstellungen.
Nein. Viele Wörter haben tatsächlich dieselbe oder eine sehr ähnliche Bedeutung, etwa „Problem“ und πρόβλημα. Ähnlichkeit sollte aber immer im Satz überprüft werden, weil sich Bedeutungsumfang, Stil oder Gebrauch unterscheiden können.
Viele internationale Wörter wurden aus dem Griechischen oder Lateinischen in mehrere moderne Sprachen übernommen. Jede Sprache entwickelte daraus teilweise eigene Bedeutungen. Dadurch bleiben Form und Klang ähnlich, während der konkrete Gebrauch auseinandergeht.
Am besten werden die Wörter in kurzen, realistischen Beispielsätzen gelernt. Zusätzlich helfen Bedeutungsnotizen, Gegenbegriffe und thematische Karteikarten. Entscheidend ist der aktive Abruf, nicht nur das wiederholte Lesen.
Das hängt vom Kontext ab. Bei κρίση kann etwa „Krise“, „Urteil“ oder „Beurteilung“ passen. Der vollständige Satz, das Fachgebiet und die Zielgruppe bestimmen die passende deutsche Formulierung.